Sabina Trooger

Hildegard von Bingen

Roman eines brennenden Lebens

STYX im AMRA Verlag, 256 Seiten, Paperback im HC-Format; eBook nur 6,99 ÔéČ.

ISBN: 978-3-95447-300-7

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Mit der Kraft des Unsichtbaren leben!

Hildegard von Bingen wirkte vor 900 Jahren, aber wir spüren noch heute ihre Leidenschaft. Sie galt als Wunderheilerin, schrieb eine medizinische Enzyklopädie und revolutionierte die Krankenpflege. Als Komponistin setzte sie sich über die Musikregeln ihrer Zeit hinweg, als Äbtissin erzwang sie die Gründung des ersten Frauenklosters und ersten Stifts für bürgerliche Nonnen. Sie schrieb visionäre theologische Werke, entwickelte die Kräuterkunde und verkehrte freundschaftlich mit Rabbinern und Kabbalisten. Sie lebte in direktem Kontakt mit dem Ewigen und liebte die Schöpfung. Stets ging es ihr darum, das Reich Gottes auf dieser Welt sichtbar zu machen.

Hildegard von Bingen (1098-1179) lebte in der Spannung zwischen erhebender Gottesvision und mittelalterlichem Existenzkampf. Daraus gewann sie die Kraft und den Glanz einer Heiligen. Fesselnd und geradezu atemlos führt die Autorin uns ihr Werden und Wachsen vor Augen, ihren enthusiastischen Wissensdurst und ihren Einfluss auf die Kirche inmitten einer von Männern beherrschten Welt.

Leserstimmen auf Amazon.com: »Spannend geschrieben, vorbildlich recherchiert. Einmal angefangen, fühlt man sich sofort in die Zeit und den Lebensraum Hildegards versetzt.«

Sabina Trooger, 1955 in München geboren, ist die uneheliche Tochter der Schauspieler Margot Trooger und Will Quadflieg. Sie wirkte an TV-Serien und Spielfilmen mit und war die deutsche Stimme von Madonna und Greena Davis. Nach fünfzehn Jahren in den USA und Panama lebt sie jetzt als freiberufliche Autorin, Übersetzerin und Schauspielerin in Berlin-Charlottenburg.

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:
Schweigen ÔÇó Schuld ÔÇó Schau ÔÇó W├╝ste ÔÇó Verhei├čung ÔÇó Aufbruch ÔÇó Kampf ÔÇó Sturm ÔÇó Ernte ÔÇó Abgrund ÔÇó Krieg ÔÇó Pr├╝fung ÔÇó Sieg ÔÇó Schmerz ÔÇó Freiheit ÔÇó Frieden ÔÇó Epilog ÔÇó Die Autorin

DIE AUTORIN ├ťBER IHR BUCH:
┬╗Hildegard von Bingen lebte vor fast tausend Jahren, aber wir sp├╝ren noch heute ihre Leidenschaft und Integrit├Ąt. Sie war eine dem├╝tige Nonne, die in g├Âttlichem Zorn P├Ąpste, Kaiser, K├Ânige und Bisch├Âfe zurechtwies. Sie galt als Wunderheilerin, schrieb aber eine medizinische Enzyklop├Ądie und revolutionierte die Krankenpflege. Als Komponistin setzte sie sich zur Ehre Gottes ├╝ber die strengen Musikregeln ihrer Zeit hinweg, und als ├äbtissin erzwang sie die Gr├╝ndung des ersten unabh├Ąngigen Frauenklosters und des ersten Stifts f├╝r b├╝rgerliche Nonnen. Sie schrieb vision├Ąre, theologische Werke und verkehrte freundschaftlich mit Rabbinern und Kabbalisten. Was widerspr├╝chlich erscheint, war in Wahrheit Ausdruck ihres unbeirrbaren Glaubens. Wie den ersten Aposteln ging es ihr ausschlie├člich darum, unter allen Umst├Ąnden den Willen Gottes ├╝ber alles andere zu stellen und sein Reich auf dieser Welt sichtbar zu machen. Sie lebte in direktem Kontakt mit dem Ewigen und liebte die Sch├Ânheit der Sch├Âpfung. Diese Weite des Geistes und dieser Mut des Herzens fehlen auch uns Heutigen, und es tut gut, sich von Hildegard aufr├╝tteln und befreien zu lassen.┬ź

KAPITEL 4 - W├ťSTE
Stets hatte ich mit der Wirklichkeit des Unsichtbaren gelebt und nie gewusst, was im n├Ąchsten Augenblick mit mir geschehen w├╝rde. Auch auf dem Disibodenberg blieb ich den ├╝berraschenden Eindr├╝cken hilflos ausgeliefert, die ungerufen auf meine Seele einst├╝rzten und mein Fassungsverm├Âgen oft ├╝berstiegen.
Als sei das nicht genug Unsicherheit, wurde auch mein K├Ârper immer empfindsamer. Auf jeden Wetterumschwung, auf jeden Stimmungswechsel im Raum oder in der Atmosph├Ąre des Klosters reagierte ich auf unvorhergesehene Weise, sodass ich oft mit Schw├Ąche, Gliederzittern und sogar L├Ąhmungserscheinungen im Bett lag. Sicherlich h├Ątte ich diese zweifache Unsicherheit, in der ich lebte, nicht ertragen ÔÇô konnte ich mich doch weder auf meinen K├Ârper noch auf meinen Geisteszustand verlassen ÔÇô, w├Ąre da nicht Jutta von Spanheim gewesen.
Diese Inklusin besa├č eine innere Freude, die sich jedem, der mit ihr zu tun hatte, unweigerlich mitteilte. Geduldig und liebevoll belehrte sie uns M├Ądchen durch ihr eigenes Beispiel; ihr Anspruch an uns hing nie an ├äu├čerlichkeiten. Als ihre Weisheit in der Umgebung bekannt wurde, erklommen oft Ratsuchende den Berg, um sich Jutta anzuvertrauen; und die Schar der adligen M├Ądchen, die ihr zur Erziehung ├╝bergeben wurden, wuchs.
Bald war unsere kleine Klause zu eng und weitere Geb├Ąude wurden unserem Wohnhaus angeschlossen. Wenn Jutta mich mit ihren klugen, grauen Augen musterte, war es, als blickte sie mir mitten ins Herz. Oft war ich nah daran, ihr von meiner Schau zu erz├Ąhlen ÔÇô doch dann hielt die Angst mich wieder davon ab.
An einem milden Fr├╝hlingstag, als ich etwa zw├Âlf Jahre alt war, nutzten wir das sch├Âne Wetter, um zum Glan hinunterzusteigen. Da noch keine von uns Inklusinnen das Gel├╝bde abgelegt hatte, das sie f├╝r immer an den Orden band, durften wir die Klause ab und zu verlassen. Unter Juttas Anleitung hatten wir mit Untersuchungen der Pflanzen und Tiere unserer Umgebung begonnen und wollten die Laichpl├Ątze der Fische erkunden. Auf der Suche danach schweiften die M├Ądchen hierhin und dorthin; ich aber war zu neugierig, um die drei kostbaren Stunden, die wir bis zum n├Ąchsten Stundengebet hatten, so zu vertr├Âdeln.
┬╗Kommt endlich mit, dort sind sie doch!┬ź, rief ich und eilte ungeduldig flussaufw├Ąrts. An der Flussbiegung fand sich tats├Ąchlich ein gro├čes Laichgebiet; wohlversteckt unter den langfingrigen Bl├Ąttern der Wassergr├Ąser. Erst als die anderen M├Ądchen bei mir ankamen, wurde mir bewusst, dass ich mich verraten hatte. Da war er wieder, der Blick, den ich seit jenem Wintertag in der Spinnstube so f├╝rchtete!
Doch Jutta war mit ein paar raschen Schritten an meiner Seite. ┬╗Na, welch ein Gl├╝ck, dass du uns so schnell hergef├╝hrt hast! Du warst wohl schon einmal hier?┬ź, lachte sie leichthin. ┬╗Fangt gleich mit der Untersuchung an und schreibt alles auf, h├Ârt ihr: Farbe, Gr├Â├če, Beschaffenheit! Und nehmt nur so viele Fischeier heraus, wie ihr unbedingt dazu braucht!┬ź
Zu mir sagte sie: ┬╗Mit dir habe ich noch zu reden, Hildegard.┬ź Sie f├╝hrte mich einige Schritte fort, damit die anderen uns nicht h├Âren konnten. Vor Angst war mir ganz ├╝bel. Steif wie ein Stock folgte ich ihr und w├╝nschte verzweifelt, ich k├Ânnte die un├╝berlegten Worte zur├╝cknehmen, die alles ver├Ąndert hatten. Jutta aber sah mich mit ihren g├╝tigen Augen an und l├Ąchelte.
┬╗Du bist eine gute Sch├╝lerin, Hildegard┬ź, lobte sie. ┬╗Du begreifst schnell, und man kann sich auf dich verlassen. Deshalb habe ich beschlossen, dir unser Heilkr├Ąuterbeet anzuvertrauen. Du sollst es aber nicht nur pflegen, sondern die Heilkr├Ąuter auch erforschen und, wenn m├Âglich, neue hinzugewinnen. Ich m├Âchte, dass du lernst, ihr inneres Wesen zu erfassen und alles, was du siehst, genau aufzuschreiben. Daf├╝r erlaube ich dir, an Werktagen t├Ąglich eine Stunde in den Wald zu gehen.┬ź
┬╗Allein?┬ź, staunte ich.
┬╗Volmar kann dich begleiten. Ich denke, er wird sich ├╝ber die Abwechslung freuen.┬ź
┬╗Aber wie soll ich denn das innere Wesen der Kr├Ąuter erfassen?┬ź, stotterte ich ├╝berw├Ąltigt.
Juttas L├Ącheln vertiefte sich. ┬╗Ich denke, das wei├čt du selbst am besten. H├Âr gut zu: Das Sichtbare, das uns umgibt, ist wie ein Schl├╝ssel, den Gott uns gegeben hat, damit wir das Unsichtbare erfassen. Und wenn wir lernen, die Geheimnisse des Sichtbaren zu entziffern, kann das Unsichtbare uns nicht mehr ├Ąngstigen.┬ź

Über den Autor:

Sabina Trooger

Sabina Trooger wurde 1955 in München als uneheliche Tochter der Schauspieler Margot Trooger und Will Quadflieg geboren. Sie besuchte eine Grafikerschule, leitete mit zwei Kollegen ein Jahr lang eine eigene Werbeagentur und begann ein Schauspielstudium bei der legendären Akademieprofessorin Margret Langen. Mit zwanzig spielte sie die Anne Frank, ihre erste Theaterrolle, und arbeitete bis 1998 als freiberufliche Schauspielerin im deutschen und englischen Fernsehen sowie an vielen Theatern im deutschen Sprachraum. 1986 lernte sie ihren heutigen Ehemann, den in Chicago geborenen Schauspieler und Schriftsteller Vincenzo Benestante kennen. Gemeinsam arbeiteten sie auch als Übersetzer von Synchronbüchern, Computerspielen und später Sachbüchern für die Verlage Allegria und Amra.
1990 übersiedelte das Paar nach London und 1998 nach Key Largo, wo es eine eigene Tauchschule betrieb. Daneben traten die beiden in ganz Südflorida mit eigenen Gedichten als Spoken Word Poets auf und veröffentlichten gemeinsam zwei Gedichtbände sowie zwei Theaterstücke, die in Key Largo und Fort Lauderdale uraufgeführt wurden.
Ihre eigene schriftstellerische Tätigkeit hatte Sabina bereits 1994 mit der Veröffentlichung einer Fantasy-Romantrilogie sowie der historischen Romane »Hildegard von Bingen« und »Kriemhild« begonnen, die jetzt in durchgesehener und neu bearbeiteter Form in der Edition Styx des Amra Verlags vorliegen.
2004 zogen Sabina und Vincenzo nach Miami um und 2006 nach Panama. Dort spielte sie im Teatro de los Balcones sowie im Nationaltheater Panama und veröffentlichte gemeinsam mit Ileana Solis auf Spanisch ein Theaterstück, das 2011 in Panama Stadt uraufgeführt wurde.
Zwei Jahre später erfolgte der Umzug nach Berlin. Heute lebt Sabina als freiberufliche Autorin, Übersetzerin und Schauspielerin in Charlottenburg.



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