Anja Rivinius

Totsein für Anfänger

Ein Handbuch für Nichtgestorbene

AMRA Verlag, 288 Seiten, Taschenbuch, mit 16 himmlischen Illustrationen

ISBN: 978-3-95447-046-4

12,80 €

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Sollten Sie eines Tages feststellen, dass Sie tot sind statistisch gesehen immer noch der häufigste Notfall, weit vor Verkehrsunfällen, Wasserrohrbruch und Kreditkartenverlust –, dann wüssten Sie doch sicher gern, was jetzt zu tun ist, oder? Nur dumm, dass Sie Ihr Handy nicht dabei haben, in dem für alle Fälle die richtige Notrufnummer gespeichert ist. Aber hätten Sie denn überhaupt ein Netz? Und wen um Himmels willen würden Sie anrufen?

          Sehen Sie – da geht’s schon los!

Aus dem Inhalt: Sterben ist wie auswandern – Himmlischer Jetlag – Googeln Sie Ihre Oma! – Haben Nonnen eine externe Festplatte? – Wo der Segen hängt und wo die Säge klemmt – Totsein oder nicht totsein – Schöner wohnen im Himmel – Zwei Nasen für ein Halleluja – Werkzeugkasten für den Notfall

          »Allerbeste Unterhaltung mit X-Faktor.«
                       
Ein junger, hipper Radiomoderator

Eine brüllend komische Achterbahnfahrt quer durch Medizin, Alltag und Quatsch-Comedy. Dabei zeigt die Autorin, die bereits an Krebs erkrankt und mehrmals klinisch tot war, fachlich korrekt auf, wie Sie mit allen Krisen im Leben locker fertig werden – selbst mit dem eigenen Tod.

          Ein Buch, nicht nur für Notärzte,
                        Nachtschwestern, Polizisten und Bestatter!


Anja Rivinius wuchs in einem Krankenhaus auf. Mit sechs fast ertrunken, entlarvte sie als 13-Jährige den Mathelehrer als Sektenmitglied, der sie von da an für eine Außerirdische hielt, verhinderte in Dänemark ein Busunglück mit 32 Schülern, zwei Vergewaltigungen und eine Kindsentführung, diskutierte ihre schwere Krebserkrankung mit dem Schöpfer aus und erlebte eine Spontanheilung. Heute repariert sie Schuhe, Handtaschen und Ölgemälde.


Auch als eBook erhältlich.


Kurzbeschreibung durch die Autorin

Hier fährt der Leser vom ersten Augenblick live in einem Nahtoderlebnis mit wie in einer Achterbahn. Er wird fachlich korrekt informiert, während er sich gruselt, weint, vor Lachen ausschüttet oder getröstet wird. Sie erfahren hier Dinge über den Tod, die sie sich noch nie zuvor gefragt haben. Quer durch Medizin, Religion, Alltag und Quatsch-Comedy führe ich empirisch den Beweis, dass auch sie persönlich jemanden kennen, der schon einmal tot war. Denn davon gibt es in Deutschland mindestens 3,2 Mio. Menschen, nicht nur irgendwo in Amerika oder im Fernsehen.

Ob Sie nun selbst betroffen sind, einen Angehörigen haben, unvermutet ein Geist in Ihrer Küche erscheint oder Sie schon vor der Himmelstür stehen. In diesem Buch finden Sie das Werkzeug, mit allen Wundern und Zuwiederwurzen des Lebens fertig zu werden, und das ganz ohne Universitätsabschluss. Auch wird dabei niemand genötigt, Katechet zu werden, spiritistische Sitzungen abzuhalten oder einer indischen Sekte beizutreten. Alle Fallbeispiele in diesem Buch kommen aus eigenem Erleben oder von Menschen, die ich persönlich kennen gelernt habe. Darunter finden sich Ärzte, Schwestern, Polizisten, Handwerker und ein Bestatter. Ich habe absichtlich darauf verzichtet, den Leser mit Wiederholungen aus anderen Büchern zu langweilen, und so unbewusst das Buch geschrieben, das ich gern gelesen hätte, als ich mit 17 Jahren nach einem Unfall einen Ausflug ins Jenseits gemacht habe.

Ein ganz junger, hipper Radiomoderator kommentierte die Idee zu diesem Buch einmal so: "Das ist allerbeste Unterhaltung mit X-Faktor." Das Manuskript ist aber auch von ein paar Kirchgängern als gut bewertet worden, was mir sagt, dass auch der fortgeschritten Interessierte hier auf seine Kosten kommt und etwas für sein Leben mitnehmen kann. Das wollte ich ihnen im Vorfeld nicht vorenthalten.

Anja Rivinius

 

Leseprobe

INHALT

Danksagung
Vorwort für normale Sterbliche und Skeptiker
Vorwort für Rettungssanitäter, Schwestern und Polizisten
Vorwort für Überlebende und ihre Angehörigen

EINFÜHRUNG: Nahtoderlebnisse – Wo kommen die alle her?
EINMAL HIMMEL UND ZURÜCK: Sterben ist wie Auswandern – Point of no return – Plan für den Notfall – Kleine Geburtstagsfeier für Überlebende – Offizielle Begrüßung – Vaterunser
RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN: Himmlischer Jetlag, die ersten paar Tage – Die kleine Rehaklinik für den »Heimkehrer«
DIE »WAHNSINNIGEN« VERWANDTEN: Sie, der »Außerirdische« – Was die Oma noch wusste v Googeln Sie ihre Oma! – Haben Nonnen eine »externe Festplatte«? – Die anderen Außerirdischen in der Familie
LUSTIGES AUS DEM PFARRAMT: Der Pfarrer hilft ...? – Wo der Segen hängt und wo die Säge klemmt
DIE BEINE WIEDER AN DIE ERDE BEKOMMEN (TYPEN): Der »Untote« – Da wäre einmal der »fromme« Typ – Der »esoterisch angehauchte« Typ – Der »ängstliche Typ«, am Rande des Wahnsinns – Der »Teufelskerl« – Der »Geheimagent« – Der »Pippi Langstrumpf«- oder »Mac Gyver«-Typ
UND IMMER SCHÖN AUF DEM TEPPICH BLEIBEN: Die Zeit und die Ewigkeit – Der Tod – Den Tod wiedererkennen – Fröhliches Wiedersehen mit dem Tod? – Tot sein oder nicht tot sein: die ultimative Checkliste – Wenn Sie einen Geist sehen ... (huh-huuh!) – Tiere lügen nicht – Kleine Überraschungen an der nächsten Ecke
OKAY, UND WIE BLEIBEN DIE ANDEREN AUF DEM TEPPICH? (TYPEN): Die »heilige Inquisition« – Die esoterisch Interessierten – Die Heiligenanbeter
KONTAKT AUFNEHMEN – BEGEGNUNG DER DRITTEN ART: Sogenannte Fachleute – Wie finde ich andere Überlebende?
EINE SELBSTHILFEGRUPPE GRÜNDEN: Sich sammeln, in jeder Beziehung – Anderen helfen, das gibt Punkte im Himmel – Flashmob in der Kirche
PERSPEKTIVEN FÜR DIE ZUKUNFT: Einfache Bilanz für das bisherige Leben – Wachset ... (spirituelle Entwicklung) – ... und mehret euch (Kinder zeugen und Bäume pflanzen)
WIE WOLLEN SIE DAS NÄCHSTE MAL STERBEN?: Von »HÖLLE« bis siebter »HIMMEL« – Tunnel und Röhren, die Staubsauger Gottes? – Schöner wohnen im Himmel – Was kann ich mitnehmen, was nicht? – Ausreisemöglichkeiten: schweben oder fallen?
EINSÄTZE ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE: Eine »einfache« Reanimation – Einsätze am Limit, mit unsichtbaren Verkehrsteilnehmern – Unfallschwerpunkte – Eine »Tote« auf der Flucht – Der »perfekte« Selbstmord – Toto und Harry: zwei Nasen für ein Halleluja

Schlusswort
Zugabe: Werkzeugkasten für den Notfall

VORWORT FÜR NORMALE STERBLICHE UND SKEPTIKER
Für Sie ist dieses Buch sicher unterhaltsam und beunruhigend zugleich. Sie werden die Menschen, die Ihnen in der U-Bahn oder in der Einkaufsmeile begegnen, künftig mit ganz anderen Augen sehen.
Denn jeder von Ihnen könnte ein »Nichtgestorbener« sein ...
Was die Wissenschaft dazu auf der Pfanne hat, ist derzeit noch eher suboptimal, und wenn Sie drei »Experten« zu diesem Thema befragen, werden Sie zehn verschiedene Meinungen zu hören bekommen. Erwarten Sie also schon deshalb keine »hochwissenschaftliche« Abhandlung. Wenn Sie aber wissen möchten, wie man zum Himmel und wieder zurück kommt und mit welchen Tücken man zu kämpfen hat, wenn man sein »Leben nach dem Tod« hier auf der Erde wieder auf die Reihe bekommen will, dann begleiten Sie mich doch einfach ein Stück weit.
Dies ist kein Buch für Rosenzüchter. Ein paar Beulen in der Komfortzone Ihres bisherigen Weltbildes müssen Sie dabei aushalten können. Es enthält nämlich auch Antworten auf Fragen zum Totsein, die Sie sich bisher nie zu stellen wagten.
Aber allein, wenn es Sie dazu anregt, Ihren eigenen Tod von einer ganz anderen Seite zu sehen und auch mal darüber zu lachen, hat sich diese Investition für Sie schon gelohnt.
Ach ja, und die Antwort auf die uns Nahtod-Erfahrenen am häufigsten gestellte Frage ist: »Nein, ich habe Elvis nicht getroffen.«

VORWORT FÜR RETTUNGSSANITÄTER, SCHWESTERN UND POLIZISTEN
Sie sind einer von ihnen? Dann leisten Sie in diesem Land und überall auf der Welt eine großartige Arbeit, meistens physisch und psychisch am Limit.
Haben Sie sich schon mal gefragt, warum? Ich meine, warum gerade psychisch am Limit? Ihre Berufe haben doch etwas sehr Geordnetes an sich, und dennoch erleben Sie fast täglich Dinge, die gar nicht in Ihrer Ausbildung vorkamen.
Denken Sie nur daran, wie Sie der Kollege irritiert, der vorzeitig aus dem Dienst ausgeschieden ist, weil er nach einem Unfall mit mehreren Toten das »Ganze« einfach nicht mehr ausgehalten hat. Habe ich Recht? Post-traumatisches Belastungs-Syndrom. Das ist zwar ein ganz tolles Wort, aber was genau sagt das überhaupt und was steckt eigentlich dahinter?
Und wie kommt’s, dass jemand einen »garantiert tödlichen Unfall« nahezu unversehrt überlebt? Und was genau haben Sie da wirklich »mit nach Hause genommen«, wenn so ein Fall Sie lange Zeit, ja manchmal das ganze Leben lang nicht mehr loslässt?
Haben Sie sich mal die Mühe gemacht herauszufinden, wer Ihnen da schon ein paar Mal ins Ohr geflüstert hat: »Pass auf, runter vom Gas!« – kurz bevor ein kapitaler Hirsch oder eine Waschmaschine plötzlich mitten auf der Straße stand?
Ich wette, dass von »Kommissar Zufall« auch keine Personaldaten existieren, geschweige denn, dass sich jemand mal bei ihm bedankt hat. Jedenfalls nicht von Ihrer Dienststelle. Nicht offiziell. Und doch ist er effektiver als jeder andere Helfer ...
Ach, und diese sogenannten »Spontanheilungen« ... Witzige Sache, das, nicht wahr? Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass den Göttern in Weiß so langsam keine Ausreden mehr dafür einfallen, dass sie die einfach nicht erklären können?
Das und vieles mehr ist gar nicht mehr so rätselhaft, wenn man es einmal »von der anderen Seite aus« betrachtet ...

VORWORT FÜR ÜBERLEBENDE UND IHRE ANGEHÖRIGEN
Es ist etwas ganz anderes, eine Nahtod-Geschichte nur zu lesen, als wenn man selbst mitten drinsteckt. Das kann ich gut verstehen. Ich habe es ja selbst erlebt, mich danach mit den verschiedensten Menschen unterhalten und mir auch ihre Nahtod-Geschichten angehört.
Dabei habe ich herausgefunden, dass viele von uns Nichtgestorbenen panische Angst davor haben, irgendwie bloßgestellt zu werden.
Wenn Sie gerade denken: »Ich habe so etwas erlebt, aber ich bin wohl einfach verrückt geworden ...« Ich meine: Wenn Sie das denken! – kann ich sie beruhigen. Verrückt geworden? Genau das sind Sie wahrscheinlich nicht – und wenn doch, dann eher wegen dem Blödsinn, der den ganzen Tag im Fernsehen läuft, als wegen ihrem Nahtoderlebnis.
Es ist nicht Ziel dieses Buches, irgendwelche Menschen zu »outen«. Vielmehr soll es alle wichtigen Erfahrungen zusammenführen und ein paar selbstgebastelte Lösungen anbieten. Sollten Sie als Nicht-Nichtgestorbener nach ein paar Seiten das Gefühl haben, Sie würden leibhaftig in einem Nahtod-Erlebnis »mitfahren« ... prima! Das ist pure Absicht!
Nach der Lektüe sollten Sie auf jeden Fall Ihre eigenen »Untoten« in der Familie besser verstehen und die ganze Sache mit dem Tod wesentlich entspannter sehen. Wenn Sie sich am Ende nicht totgelacht haben, können sie sogar einen mittleren Aufstand anzetteln ...
Im Namen Ihrer ganz persönlichen Wahrheit.

EINFÜHRUNG: NAHTODERLEBNISSE
Nachdem ich meinen eigenen Tod schon im Alter von 17 Jahren überlebt hatte, lernte ich einen Beruf, arbeitete in einem Krankenhaus, einem Pflegedienst und einer evangelischen Kirche. Ich versuchte mich als freischaffende Künstlerin, heiratete und bekam Kinder. Aber erst 21 Jahre später brachte ich es fertig, meine Geschichte aufzuschreiben, und dann suchte ich nach anderen Überlebenden und fand sie – obwohl die alle mehr oder weniger im »Untergrund« leben – erstaunlich schnell.
Nahtoderlebnis – das klingt auch für mich wie eine zwei Pfund schwere Warze an der Backe; man sollte das bei Gelegenheit mal als Unwort des Jahres vorschlagen, nicht wahr?
Für die Überlebenden gibt es kein Wort, und das, obwohl immer mehr von ihnen durch die Gegend laufen. Daher biete ich Ihnen in diesem Buch auch ein paar andere Begriffe an. Sie können sich ja dann einen davon aussuchen, der Ihnen besonders gut gefällt.
Seltsamerweise entsteht immer der Eindruck, dass es Menschen mit Nahtod-Erfahrungen nur in Amerika gibt, oder im Fernsehen, was praktisch das Gleiche ist, auf jeden Fall aber irgendwo anders – ganz weit weg. Überhaupt glauben die meisten, dass es sich bei so etwas um irgendein ganz, ganz seltenes, geradezu magisches Phänomen handelt, und wenn mal einer von uns in der Öffentlichkeit erscheint, dann wird – wahrscheinlich um die Einschaltquote zu pimpen – immer gern so ein mystisch-heiliges Gewese um den oder die Ärmste gemacht.
Wenn Sie aber nicht gerade auf einem Leuchtturm wohnen, möchte ich wetten, dass auch in Ihrer Straße jemand lebt, der schon eine sehr persönliche Begegnung mit dem Tod hatte. Und das ist in der Regel irgendein Otto Normalverbraucher, von dem Sie das absolut nicht gedacht hätten. Nahtod-Erlebnisse sind heutzutage nämlich gar keine Seltenheit mehr, im Gegenteil: Es ist schon eher ein Massenphänomen, eine richtige Pandemie.
Möglicherweise hat Ihr Nachbar, den Sie schon jahrelang kennen, bereits eines gehabt, oder der Bäcker an der Ecke. Oder auch Ihr Lebensgefährte/Ihre Lebensgefährtin, der/die Ihnen das schon seit Ewigkeiten verschweigt.
Wenn Sie dieses Buch aufmerksam lesen, werden Sie gut und gern etwa drei Personen in Ihrem engsten Umfeld benennen können, die wahrscheinlich schon ein Nahtoderlebnis hatten – und Sie werden sich wundern, wie einfach es ist, weitere zu finden.
Sollten Sie selbst bereits eine Nahtod-Erfahrung gehabt haben, dann haben Sie bestimmt auch schon versucht, irgendeine Erklärung für Ihr Erlebnis zu finden, und sind dabei auf Literatur gestoßen, die manchmal einen bedrückenden Eindruck hinterlassen kann.
Sehr schnell ist man da auf mystischen Pfaden unterwegs, die in alle möglichen Richtungen führen und einen nirgendwo wirklich hinbringen.
Außerdem nützt es einem in dem Moment auch nicht gerade viel, zu wissen, dass ein Guru in Indien gute Erfahrungen mit der »Öffnung des Dritten Auges« gemacht hat oder Erdlinien sich negativ auf unsere Aura auswirken können.
Es ist aber so: In der ersten Zeit nach unserem Erlebnis können Probleme der unterschiedlichsten Art auftreten, an die man im Leben nicht gedacht hätte und für die man auf der Stelle eine praktische Lösung braucht, um seinen Alltag erst mal wieder einigermaßen bewältigen zu können.
Ich beschreibe Ihnen hier also keinen hoch spirituellen Weg, sondern biete Ihnen eher einen Erste-Hilfe-Kurs für den Normalbürger, der zwischen Himmel und Erde ein paar Erfahrungen gemacht hat, die seine Welt komplett durchgeschüttelt haben ... frei nach dem Motto »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott«.
Und keine Sorge, Sie müssen jetzt nicht gleich in den Baumarkt laufen, wir arbeiten hier mit dem Werkzeug, das wir im Haus haben.
Ich gebe ja zu, dass ich diese Sache auch jahrelang eher ignoriert habe, aber irgendwann blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich damit auseinanderzusetzen. Man bringt nämlich schon mal einen Menschen aus dem Jenseits wieder raus, aber man bringt das Jenseits niemals mehr aus dem Menschen raus ... nicht wirklich.
Für mich begann danach eine Reise, die nur noch abenteuerlicher wurde, als ich dann irgendwann auf die Idee kam, mich taufen zu lassen. (...)

STERBEN IST WIE AUSWANDERN
Im Fernsehen zeigen sie immer mehr Leute, die ohne jede Vorbereitung mit Kind und Kegel irgendwohin auswandern wollen. Heutzutage wandert ja jeder aus.
Sagen wir mal ... nach Spanien, weil es doch da so schön warm sein soll. Die Gründe sind oft genauso simpel wie unüberlegt: »Ähhm ... Wir kriegen seit drei Jahren Hartz-IV und haben die Schnauze voll von Deutschland.« »Schon mal dort gewesen?« »Äh ... neeh?«
Fremdsprachenkenntnisse: keine.
Berufsausbildung, sagen wir mal: er Hilfsschlosser, sie Hausfrau.
Man ist nicht mehr ganz so jung und gesund, wie man einmal war, und kennt auch keine Sau im Land seiner zukünftigen Albträume. Die von Freunden in Deutschland geliehenen 3.800 Euro werden bei der Ankunft gleich in ein neues Auto, eine warme Mahlzeit und eine Monatsmiete investiert. In genau dieser Reihenfolge.
Ich frage mich manchmal, wie die Fernsehteams das aushalten. Mir wird da immer schon beim Zusehen schlecht. Auch hätte ich gar nicht so viele Hände, wie ich sie über dem Kopf zusammenschlagen möchte.
Früher gab es so etwas nicht. Da sind solche Einfaltspinsel schon bei dem Versuch, zu Fuß die Alpen zu überqueren, von den Wölfen gefressen worden.
Und wer weiß, wozu das gut war ...
Keine Sorge, Ihnen kann so etwas nicht passieren. Sie sind ja vorbereitet, oder? Sind Sie nicht? Ach, Sie wollen überhaupt nicht auswandern?
Brauchen Sie auch nicht, wirklich nicht, nein. Sie werden nämlich ausgewiesen. Aus ihrem Haus, ihrer Stadt, ihrem Land und dieser Erde.
Nicht nur das, nachdem man Ihnen ein paar mehr oder weniger gute Wünsche hinterher gerufen hat, will auch keiner mehr mit ihnen reden.
Sie haben natürlich Recht: Ausweisen ist ein viel zu hartes Wort dafür. Nennen wir es einfach sterben, das klingt doch gleich viel freundlicher, oder nicht?
Was würde denn passieren, wenn Sie in diesem Moment tot vom Stuhl fielen? Hmmmm? Haben Sie sich das schon mal überlegt?
Und wüssten Sie wenigstens ungefähr, was dann auf sie zukommt?
Eines zumindest dürfte klar sein: Sie gehen auf eine sehr lange Reise ...
Nun kann ich Ihnen beim besten Willen nicht voraussagen, WO Sie da »drüben« landen werden. Deshalb erlauben Sie mir bitte, dass ich für Ihre virtuelle Reise ein etwas irdischeres Ziel einsetze. Wie wär’s mit Australien, oder noch besser, mit den USA?
Stellen sie sich doch mal vor, Sie stehen urplötzlich am Flughafen von New York. Weder können Sie sich daran erinnern, diese Reise gebucht zu haben, noch wissen Sie, wie Sie auf einmal hierher gekommen sind. Außerdem haben Sie gerade ein Gefühl im Bauch, als hätte Käpt’n Kirk persönlich Sie gerade vom Raumschiff Enterprise heruntergebeamt.
Sie haben sich noch nicht ganz von dem Schreck erholt, da müssen Sie feststellen, dass Sie gar kein Gepäck dabei haben. Schnell überprüfen Sie die Taschen ihres Anzugs, aber alles ist weg – Handy, Reisepass und die Brieftasche mit Ihrem ganzen Geld und den Kreditkarten.
Nun ist es ja kein Geheimnis, dass die Amerikaner manchmal ein wenig »eklig« sein können mit ihren Einreisebestimmungen. Ich kenne da zum Beispiel jemanden, der ein Ticket für zu schnelles Fahren in den USA bekommen hat. Der Schlauberger ist abgereist, ohne zu bezahlen. Als er zwei Jahre später wieder einreisen wollte, nahm man ihn direkt am Flughafen fest.
Shit happens.
Das soll sie aber jetzt nicht weiter irritieren ...
Sie bemerken gerade, dass die Leute vor Ihnen in der Schlange alle von jemandem erwartet werden, nur Sie nicht. Nun wird es aber wirklich etwas unheimlich. Sie überlegen krampfhaft, was Sie bei der Einwanderungsbehörde vorzuweisen hätten, wer Ihnen jetzt noch helfen könnte und ob Sie irgendjemanden kennen, der in der Lage wäre, Sie zu identifizieren.
»Kann die Botschaft in solchen Fällen nicht etwas tun?«, überlegen sie. »Oder werden die mich jetzt gleich hier verhaften?«
Da gibt es ein Mordsgeschrei ganz vorn an der Zollkontrolle. Ein Mann, der die ganze Zeit erregt mit den Beamten diskutiert hatte, wird abgeführt. Wild mit Händen und Füßen um sich schlagend, versucht er sich zu widersetzen. Die Beamten scheinen aber eine Engelsgeduld zu haben mit dem Tobenden, und schließlich gelingt es auch, ihn unfallfrei an den anderen vorbei in eine Art Sanitätstrakt zu bugsieren.
Jetzt erst fällt Ihnen auf, dass sich die Reisegruppe vor Ihnen ... offenbar Pilger, die Leute ... schon die ganze Zeit über einen Flugzeugabsturz unterhält, der eben erst passiert sein soll. »Moment mal«, denken Sie sich. »Was denn für ein Flugzeugabsturz? Haben die nicht alle ein paar Reihen vor mir gesessen auf dem Inlandsflug nach München, und wo sind wir hier überhaupt, ehh?« Der Pfarrer, der jetzt die ganze Gruppe durch die Ausweiskontrolle leitet, sieht Sie einen Moment lang an. »Ist das nicht der Mann«, denken sie, während sie von der Warteschlange vorwärts geschoben werden, »der aufstand, um zu beten, bevor der ohrenbetäubende Lärm der ... äh ... brennenden Turbinen alles übertönte ...?«
Auf der anderen Seite fängt ein Kirchenchor an zu singen, eine Traube von Leuten drängt sich um die Gruppe, es wird gelacht, Menschen fallen sich in die Arme ...
Plötzlich fällt Ihnen alles, was passiert ist, wieder ein.
»Okay, war’s das jetzt für mich?«, denken Sie vielleicht. Das weiß ich auch nicht, aber eins ist jedenfalls sicher: Sie sind hier am ... point of no return.

POINT OF NO RETURN
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Heimkehrer sich »da oben« leider nicht gerade durch besondere Geistesgegenwart ausgezeichnet haben. In der Regel sind sie herumgetaumelt wie im Traum, und hätte es sich dabei um eine Führerscheinprüfung gehandelt, sie würden wohl heute noch zu Fuß gehen.
Und zu Fuß kommt man da oben nicht weit!
Die meisten von uns haben es ganz sicher höheren Mächten zu verdanken, dass die Sache gut für sie ausgegangen ist.
Aber wie geht man am besten vor? Nun, ob Sie also gerade buchstäblich neben sich stehen, von der Decke eines Operationssaals den Ärzten bei Ihrer eigenen Behandlung zusehen oder schon vor einem Tunnel oder Licht stehen, spätestens jetzt ist der Augenblick, an dem Ihnen klar werden sollte, ob Sie leben wollen oder nicht. Hier haben Sie oft noch die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen für oder gegen das aktuelle Leben. Also, das Leben auf der Erde ... so mit Schwerkraft, Steuern und festen Arbeitszeiten ... aber eben auch mit denen, die Sie lieben und die Sie womöglich noch eine Weile brauchen ...
Vielleicht sind Sie ja auch einfach noch nicht fertig mit diesem Leben? Die neugewonnene Erkenntnis, dass mit dem Tod wohl doch nicht alles vorbei ist, könnte auf ihr bisheriges Leben hier auch noch mal ein ganz anderes Licht werfen, nicht wahr? Wenn Sie sich an dieser Stelle also für das »Weiterleben« entschieden haben, gut.
Dann tun Sie sich bitte den Gefallen und gehen Sie jetzt auf keinen Tunnel zu, steigen Sie über keinen Zaun und überqueren Sie keinerlei Grenze, auch nicht ins »Licht«, denn von dort ist nun wirklich noch keiner ins Leben zurückgekommen. Gehen Sie auch mit niemandem irgendwohin, von dem Sie nicht wissen, wer er ist und was er von ihnen will!
Das ist so einfach wie wirkungsvoll – wenn Sie Kinder haben, wissen Sie, was ich meine. Und dann wollen wir mal sehen, wie wir Sie wieder auf den Boden zurückbekommen.
Wenn Sie klug waren, stehen Sie jetzt ja immer noch VOR der Einreisekontrolle! Ist das so? Bestens, dann habe ich jetzt einen Notfallplan für Sie. (...)

Über den Autor:

Anja Rivinius

– 1965 in Hamburg geboren
– schon in früher Kindheit mit dem Tod konfrontiert durch den Beruf der Mutter, die als Krankenschwester mit der Familie in einem Krankenhaus wohnte
– mit sechs Jahren fast ertrunken
– übelste Schulzeit wegen Hochbegabung
– ab dem 12. Lebensjahr unfreiwilliges Co-Studium der Sozialpädagogik
– mit 13 den Mathelehrer als Sektenmitglied entlarvt, der sie von da an für eine Außerirdische oder Ähnliches hielt
– Realschulabschluss
– vier Monate Internat in Dänemark; Busunglück mit 32 Schülern verhindert
– mit 17 Jahren eine Anstellung als Lehrerin in Dänemark entsetzt abgelehnt
– bei einem Reitunfall für 1,5 Minuten klinisch tot gewesen; Nahtoderlebnis
– Monate später eine Erfahrung mit unfreiwilligem Ausstieg aus dem Körper
– Jobs im Handwerk, als Kellnerin und in der Marktforschung
– mit 23 Jahren erstes Kind
– im selben Jahr eine Ausbildung zur Masseurin an einer Blindenschule angefangen
– danach Arbeit in Klinik und verschiedenen Praxen; in zwei Luxushotels in Hamburg Prominente massiert
– medizinische Fortbildungen, erster Sprecherjob, Arbeit in Pflegedienst und Altenheim
– merkwürdige Phase, in der sie überdurchschnittlich oft Gelegenheit hatte, Menschen das Leben zu retten, zwei Vergewaltigungen und eine Kindsentführung verhinderte
– zwei Jahre lang lustigen Job als Malerin historischer Kinderkarussells gehabt
– zweites Kind mit 35 Jahren, und kurz darauf ...
– ernste Krebserkrankung mit dem Schöpfer "ausdiskutiert" und Spontanheilung erfahren (ohne Behandlung genesen)
– mehrere Wirtschafts- und Direktwerbungsseminare absolviert und einige Jahre gearbeitet
– drittes Kind mit 39 Jahren, trotz Unfruchtbarkeit
– wegen eines Versprechens biblisches Puppentheater gebaut, gleich in alle lokalen Zeitungen, Radio- und kleine Fernsehsender gekommen, z.B. kabelTV und BILD ... das ist ne Kombi, was? (Einer dieser Filme wird heute von Medienzentralen in Deutschland als Unterrichtsmittel verwendet.)
– 2008 einen anderen "Untoten" geheiratet, leider erfolglos, er bekam fünf Herzinfarkte, lebt aber gerade noch
– wohnt derzeit allein mit ihren beiden Kindern und repariert Schuhe, Handtaschen und Ölgemälde



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