INHALT
Die Revolution, die niemals stattfand
Wenn der Osten dem Westen nicht gerecht wird
Die Illusion der Leere
Die Falle der Psychologie
Der Tod des Gurus
Ein prämodernes Gespenst
Der Aufruf
Ein Platz in der Welt
Die dunkle Seite der westlichen Geisteshaltung
Was ist eigentlich aus der Logik geworden?
Der große Marsch der Evolution
Unser Credo
Quellen und Inspirationen
Die CD Ausdehnung
Über den Autor
Sind wir uns dieser Revolution bewusst, deren Teil wir alle sind? Ist uns klar, dass wir den Schlüssel zu einer neuen Spiritualität des Westens in Händen halten? Verstehen wir, was wir getan haben und welche Folgen diese großartige Leistung hat?
Da ein wesentlicher Bestandteil der New Age-Neurose in der Unfähigkeit, ja der stolzen Weigerung besteht, den Prozess, den wir durchlaufen, objektiv zu betrachten und ihn als Teil der großen, äußerlichen Evolution des Menschen zu begreifen, fällt es uns meist sehr schwer, diese großangelegte Revolution – geschweige denn unsere aktive Beteiligung daran – ernsthaft zu durchdenken.
Wir haben eine unabhängige, individuelle, weltliche, nicht-duale Spiritualität des Westens begründet. Diese Spiritualität bezieht ihre Kraft sowohl aus den Gaben des Ostens als auch aus den inneren Weisheiten der großen Traditionen der westlichen Vergangenheit. Darüber hinaus ziehen wir unsere Kraft – wenn auch weniger bewusst – aus Freud und Nietzsche, Einstein und Darwin. Wir haben das Konzept der göttlichen Gnade abgeschafft und Gott zu einem Teil unseres Bewusstseins gemacht. Wir haben den Glauben zerstört und durch Verantwortung und Selbstermächtigung ersetzt.
Spiritualität wurde zu einem inneren Reich, das keinen Glauben, sondern direkte Verbundenheit mit diesem Reich erfordert – und genau das ist der Grundgedanke der Meditation, ganz anders, als es beispielsweise beim Gebet der Fall ist.
Unsere New Age-Spiritualität fordert die absolute Befreiung von allen äußerlichen Faktoren, auch von allen äußerlichen spirituellen Autoritäten und Vermittlern, Gesetzen und Geboten, Belohnungen und Bestrafungen. Sie macht unsere Fähigkeit geltend, uns selbst durch die Kraft unseres Bewusstseins zu retten, da sich unser Schwerpunkt, unsere Verantwortlichkeit und unsere Führerschaft ins Zentrum des menschlichen Geistes verlagert haben.
Aber haben wir all das auch verkündet – bewusst, deutlich, mutig? Wurde all dies zu einem Eckpfeiler von irgendetwas? Absolut nicht. Stattdessen scheinen wir, seit dieser große Zustrom spiritueller Leidenschaft die New Age-Bewegung ins Leben gerufen hat, nichts weiter zu tun, als uns irgendwo in den entlegenen Randbereichen der Welt zu verschanzen. Wir sind verstreut, schwach und einzig mit uns selbst beschäftigt. Niemand hört unsere Stimme. Doch warum ist das so? Liegt es etwa im Wesen des spirituellen Lebens, der Welt aus Zeit und Raum teilnahmslos gegenüberzustehen und aus den Höhen der ewigen Reiche des Geistes arrogant auf sie herabzusehen? Haben wir das, was wir getan haben, möglicherweise vollkommen missverstanden und Individualität mit Narzissmus und Selbstermächtigung mit Selbstbesessenheit verwechselt? Oder liegt es einfach daran, dass wir unser Bestes geben, uns vor der schweren Last der Verantwortung zu drücken, und versuchen, den komplexen Schlussfolgerungen auszuweichen, die vor allem eine neue und hochentwickelte westliche Interpretation der Spiritualität für das 21. Jahrhundert fordern?
Ich habe das starke Gefühl, dass es an der Zeit ist, dass wir eine eigene Spiritualität entwickeln. Darin liegt der nächste notwendige Schritt, den wir immer weiter auf die lange Bank geschoben haben. Natürlich geht es hier um einen großen Paradigmenwechsel, und wenn wir ihn weiter vorantreiben, müssen wir alle mutig und gründlich vorgehen. Doch solange wir uns weigern, diesen Weg weiter zu beschreiten, sind wir dazu verdammt, von einer Welt zur nächsten zu wandern, ohne dass unser Handeln sonderlich viel Sinn hätte.
Und woran liegt das? Daran, dass wir als spirituelle Anhänger des Westens genau auf der Grenze zwischen Materie und Geist leben, zwischen Osten und Westen, Vergangenheit und Zukunft, Wissenschaft und Religion, weltlichem Individualismus und dem Gottvater vergangener Zeiten, zwischen Absolutismus und Relativismus.
Bislang haben wir diese spezielle Lebensweise noch nicht bewusst gewählt. Ein spiritueller Mensch des Westens zu sein bedeutet, in einer Welt des Werdens und der Weiterentwicklung, des Erreichens und Fortschreitens zu leben. Es bedeutet, an einer bestimmten Mentalität und einer Stimmung der Veränderung und der Bewegung teilzuhaben. Vor allem aber bedeutet es, die Welt der Veränderung und Bewegung offenen Herzens anzunehmen.
Dieses Manifest wurde durch eine einzige sorgenvolle Überlegung inspiriert: Wer sind wir wirklich? Wo sind wir steckengeblieben? Warum werden wir nicht zu einem authentischen Bestandteil der Weltgeschichte? Warum gelingt es nicht, irgendwo spürbare Wirkung zu zeigen? Warum ist unsere Präsenz so schwach, wo es doch eigentlich unsere Verantwortung ist, die neue spirituelle Weisheit in eine gewaltige Präsenz zu übersetzen, die die Welt verändern wird? Warum versammeln wir uns nicht und fragen uns voller Enthusiasmus, was unsere Aufgabe und unser Schicksal als Weltbewegung ist?
Durch unsere Bereitschaft, in der Peripherie zu leben, fügen wir nicht nur uns selbst, sondern auch der Welt großen Schaden zu. Denn damit weichen wir unserer wahren Natur aus, deren wichtigste Eigenschaft eine Haltung des Engagements und der Partizipation ist. Als Yogi in einer Höhle zu leben, ist gewiss nicht unsere Form von Spiritualität – und dennoch verstecken wir uns in unseren komfortablen, spießbürgerlichen westlichen Höhlen. Aber sind wir nicht aus einem bestimmten Grund hier? Etwas hält uns hier fest: eine Art Fragezeichen, das idealerweise dazu gedacht ist, uns den Weg zu zeigen.